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Cortisol & Co

Cortisol (=Hydrocortison) ist ein Hormon, das von der Nenbenniere nach akutem →Stress freigesetzt wird, um die körperlichen Folgen der akuten Stressituation zu bewältigen. Es wird ausgeschüttet, wenn das Adreanalin seine Aufgabe bereits erledigt hat. Cortisol hat in erster Linie stoffwechselabbauende Funktionen, um dem Körper energiereiche Verbindungen für die Regeneration zur Verfügung zu stellen, und Entzündungshemmung, Blutgerinnung, Kreislauf und das →Immunsystem zu unterstützen. Ein hilfreiches Hormon, das der Körper freisetzt, damit wir noch vor Tigern und anderen Gefahren davonlaufen können, ohne auf dem Weg Verletzungen zu erliegen. Die Cortisol-Ausschüttung unterliegt normalerweise tageszeitlichen Schwankungen (morgens höher, abends niedriger).

Weil es die Zuckerfreisetzung aus dem Gewebe antreibt, sorgt Cortisol auch für eine Insulinresistenz: Insulin (das Hormon, welches Zucker aus dem Blut abtransportiert und als schnelle Energie den Organen zuliefert) wirkt hierbei nicht mehr, der Zucker verbleibt im Blut. In Notsituationen den Zucker im Blut zu halten, damit er schnell zu Hirn und Muskeln gelangt und nicht im Gewebe versickert, ist sinnvoll, damit wir eine Chance haben, die Situation aktiv zu verändern (z.B. die NOT umzukehren, in den TON, den wir dann für uns wieder selbst angeben). Bleibt die Zuckerkonzentration im Blut längerfristig hoch, wie bei Dauerstress oder beisspielsweise Diabetes mellitus, bedeutet das im Rückschluß ebenfalls wieder Stress für den Organismus.

Haben wir Stress ohne akute Gefahr, funktioniert der Regelkreis trotzdem, nur kommen wir dem Sinn dieser Funktion nicht nach, weil wir nicht (z.B. vor dem Tiger davon-) rennen. Im Organismus bleibt das Notfall-Programm aufgeschaltet. Wird es nicht wieder heruntergedimmt, lagert der Körper ein, was er kriegen kann, und zwar Energie (in Form von Fettreserven) und – bildlich gesehen – Bewegungsfähigkeit (in Form von →Immobilität). Da die Zellen des Bauchfetts Cortisol besonders gut binden, sammelt sich das Hormon bevorzugt dort. „Bauchfett“, „abdominales“ oder „viszerales“ Fett nennt man die Fettschichten zwischen den Organen in unserem Bauchraum. Es findet dort viel mehr Stoffwechselaktivität statt als im Hautfettgewebe. Das Bauchfett wächst mit der vermehrten Ansammmlung von Cortisol – ergo: Bei Stress. Im Gegensatz zum Hautfett, das immer wieder zurückkommt, sogar wenn man es absaugt, kann das Bauchfett aber schrumpfen. (Wir werden also ganz entspannt ein wenig Zuviel an Körpergewicht verlieren, wenn wir uns in Bewegung und Gelassenheit üben, anstatt uns stressen zu lassen.)

Das könnte erklären, warum in einer bewegungsverarmten Gesellschaft wie die der Industrienationen gehäuft Diabetes mellitus (Zuckerstoffwechsel-Krankheit), Übergewicht, Bluthochdruck und Gefäßerkrankungen – in dieser Kombination nennt man es metabolisches Syndrom – auftreten. In den meisten Fällen übrigens durch →normales Essen und mehr →Bewegung behandelbar. Es könnte zudem erklären, warum funktionelle Störungen und Schmerzsyndrome des Bewegungssystems in unserer Gesellschaft mit die häufigsten Ursachen für Arztbesuche sind. Und so bekommt man vielleicht auch eher eine Vorstellung, warum Menschen, die lange unter stressigen Bedingung gar nicht, aber im Urlaub als erstes krank werden: In der Stressphase haben wir viel Cortisol im Blut – das Immunsystem arbeitet auf Hochtouren. Die Immunabwehr kann sich gerade noch für die „Notlage“ aufrecht erhalten… und bricht zusammen, sobald der Stress nachlässt.

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