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Geschichte der Osteopathie

Ursprünge manueller Behandlungstechniken

Seit über 4000 Jahren ist die Kunst manueller Behandlung unterschiedlichster Beschwerden Bestandteil der Naturmedizin vieler Völker. In einigen Ländern wird diese Heilkunst bis heute gepflegt. Hippokrates beschrieb schon 400 Jahre v. Chr. die Wirbelsäule als zentrales reflektorisches Steuerungsorgan und behandelte Funktionsstörungen mit gezielten Handgriffen. Im Mittelalter verlor sich bei uns – wie so vieles – auch die Kenntnis der manuellen Techniken in der ärztlichen Ausbildung.

Name und Wesen der Osteopathie

Der amerikanische Chirurg Dr. Andrew Taylor Still (1828-1917) verhalf der Manuellen Medizin zu neuem Leben: Er fand komplexe Zusammenhänge zwischen Funktionsstörungen der verschiedenen Gewebe des menschlichen Körpers und ihrer Projektion auf das Bewegungssystem. Er entdeckte und entwickelte die Möglichkeiten der Manuellen Medizin zur Behandlung solcher Störungen neu. Für dieses diagnostische und therapeutische Verfahren kreierte er den Begriff “Osteopathie” (von gr.: osteon=Knochen und gr.: pathos=Leiden) – für Leiden, die ihren Ausdruck am Bewegungssystem finden. Wesentlich war ihm dabei, die Bedingungen für einen guten Blut-Stoffwechsel zu verbessern; nicht allein in den betroffenen Regionen, sondern besonders auch dort, wo der Körper die Ursache für die Funktionsstörung birgt. Es ging Still immer um die Anerkennung des Heilprozesses als natürlichen Vorgang und darum, in der Therapie den erkrankten Organismus in seinem Prozeß der Selbstheilung zu fördern.

Dr. A.T. Still auf der Sol Morris Farm, Missouri, ca. 1891

Studium und Qualifikation

1892 gründete Still in Kirksville/Missouri das erste College, die “American School of Osteopathy” –  übrigens die erste medizinische Einrichtung in Amerika, an der Frauen zum Studium zugelassen wurden. Seine bekanntesten Schüler sind der Brite John M. Littlejohn (der 1917 in England die erste europäische Ausbildungseinrichtung für Osteopathie gründete), und William G. Sutherland, der die kraniosakrale Osteopathie weiterentwickelte. Von England aus verbreitete sich die Osteopathie in Europa. Seit 1974 ist der Ausbildungsgang zum Osteopathischen Arzt in den USA ein vollwertiges Medizinstudium – es gibt dort den Zweig der Schulmedizin und den der Osteopathischen Medizin. Das Osteopathische Medizinstudium wird mit dem “Doctor of Osteopathy (D.O.)” abgeschlossen. Die Absolventen des Studiums sind Ärzte, denen sämtliche medizinische Fachrichtungen offen stehen.

In Deutschland entwickelte sich die ärztliche Manuelle Medizin erst nach 1945. Erste osteopathische Ausbildungen werden hier seit 1988 angeboten. Seit 1998 wird in Deutschland von der Deutsch-Amerikanischen Akademie für Osteopathie (DAAO) für approbierte Ärzte mit abgeschlossener manualtherapeutischer Ausbildung (Zusatzbezeichnung Manuelle Medizin/Chirotherapie) eine mehrjährige Weiterbildung in Osteopathischer Medizin/ Ärztlicher Osteopathie durchgeführt. Sie ist an das Curriculum des Philadelphia College of Osteopathic Medicine (PCOM) angelehnt und die Ausbildungskurse werden von Fakultätsmitgliedern des PCOM geleitet. Mit dem Diplom in Osteopathischer Medizin der DAAO (D.O. DAAO) wird den Absolventen ein Ausbildungsgrad bescheinigt, der den Qualitätsanforderungen der American Osteopathic Association (AOA) für den „Doctor of Osteopathy“ entspricht.

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