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Zweifel

Das Gegenteil von Glauben ist Zweifeln – nicht Wissen. Zweifel ist eines der wesentlichsten unserer Gefühle. Als Wort besteht es aus zwei Anteilen: Dem Zahlenwort zwei und der Kompositionsform -falt (für Fältigkeit, -falt, -fältig). Zwischen Falten verbergen sich Spalten: Zweifeln bedeutet zwiegespalten sein und beinhaltet neben einer gewissen Unentschlossenheit auch das Hinterfragen von (unter Umständen vielfältigen) Möglichkeiten. Wir lernen und wachsen entlang den Herausforderungen unseres Lebens und entwickeln uns auch durch unsere Fragen und Aha!-Erlebnisse. Haben wir Zweifel, halten wir inne, gehen in Resonanz, wägen ab. Jedenfalls sollten wir das unbedingt tun, denn dieser Moment ist eine direkte Brücke zu unserem →Bauchgefühl und birgt die Chance tiefer Verbundenheit zu unserer Intuition (von lat.: intuitio=unmittelbare Anschauung und intueri=genau hinsehen, anschauen).

Wir sollten also aufmerken und genau hinschauen, wenn uns Zweifel kommen. Zeitung, Fernsehen und digitale Medien beispielsweise leben hauptsächlich von der Verbreitung von Angst, Unsicherheit und schlechter Laune. Die Welt ist heute nicht schlechter und früher war nicht alles besser. Aber heute haben wir viel mehr Medien als früher, wir sind leichter zu verunsichern und haben mehr →Angst. Wir sollten ruhig skeptisch bleiben, bezweifeln und genau prüfen, was wir den Medien glauben – aber auch, was wir über sie verbreiten.

Wie bei allem gibt es auch beim Zweifeln eine Kehrseite: Die Verzweiflung. Sie entsteht, wenn unsere Fragen verhindert oder keine weiterführenden Antworten gefunden werden. Verzweiflung stellt sich ein, wenn uns der Kontakt zu uns selbst und dadurch die Verbundenheit mit dem „großen Ganzen“ zu entgleiten droht. Wir bleiben im Handlungsimpuls hängen, weil wir vor lauter Mosaiksteinchen das Bild nicht mehr in sinnvollen Zusammenhängen erkennen (→Stress). Doch aus der Panikzone in die Komfortzone zu kommen kann man →lernen, denn Zweifel sind Teil unserer kreativen Entwicklung: Schon seine Verzweiflung zum Ausdruck zu bringen, sie zu benennen und dadurch zu teilen, kann sie bereits verringern und Linderung verschaffen. So kann aus einer verzweifelten Alamiertheit, die zu nichts führt, eine motivierende Neugier entstehen, die uns weiterbringt.

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